Was Hunde beim Suchen, Ausprobieren und Problemlösen lernen können. Und warum das gerade für unsichere Hunde interessant ist.
Eine Muffinform, ein paar Leckerchen und einige Tennisbälle. Mehr brauchte es manchmal nicht, um Donnie eine ganze Weile zu beschäftigen.
Die Leckerchen verschwanden in den Vertiefungen, die Bälle kamen obendrauf. Dann durfte Donnie herausfinden, wie er an das Futter gelangte. Er untersuchte die Form mit der Nase, schob Bälle zur Seite und probierte aus, was funktionierte.
Donnie hat seine Denkspiele geliebt. So habe ich neben den gekauften Spielen von Nina Ottosson begonnen, mir selbst etwas auszudenken. Eine leere Pralinenschachtel bekam ein zweites Leben, Papprollen wurden zu kleinen Futterverstecken und aus einem Karton voller Papier und Gegenstände wurde eine ziemlich ausgedehnte Suchaufgabe.
Wie leidenschaftlich Donnie sich damit beschäftigen konnte, war herrlich anzusehen. Und hat mich auch nicht nur ein bisschen stolz gemacht, sondern auch motiviert, mir Neues auszudenken.
Wie geht er an eine unbekannte Aufgabe heran? Welche Idee hat er zuerst? Bleibt er bei seiner Strategie oder probiert er etwas anderes? Was macht er, wenn plötzlich etwas raschelt oder ein Gegenstand umfällt?
Diese Fragen interessieren mich bis heute. Inzwischen allerdings noch aus einem weiteren Grund: Solche Beschäftigungen können gerade für Hunde, die ängstlich oder unsicher sind, wertvolle Lerngelegenheiten bieten.
Eine Seite, die ich gerne weiterempfehle
Irgendwann 2001 bin ich auf die Internetseite Spaß mit Hund von Christina Sondermann gestoßen. Ich erinnere mich noch an das damalige Titelbild: Ein Stachelhalsband wurde in den Mülleimer geworfen.
Das fand ich großartig.
Damals war eine solche Haltung in der Hundeerziehung keineswegs selbstverständlich. Heute ist die Verwendung von Stachelhalsbändern und schmerzauslösenden Elektroreizgeräten beim Hundetraining in Deutschland zum Glück verboten. Und ich wünsche mir, dass auch andere aversive Methoden den Stachelhalsbändern in die Mülltonne folgen und endlich verboten werden.
Spaß mit Hund gehört zu meinen Lieblingsseiten im Internet. Wer Freude daran hat, seinem Hund neue Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten, sollte dort unbedingt einmal stöbern.
Beschäftigung ist mehr als Zeitvertreib
Wenn wir über Beschäftigung von Hunden sprechen, fällt schnell der Begriff Auslastung. Oft schwingt dabei die Vorstellung mit, dass ein Hund nach einer bestimmten Menge Bewegung oder Kopfarbeit möglichst müde sein sollte.
Dabei lohnt sich eine andere Frage: Welche Erfahrungen ermöglicht ihm eine Beschäftigung eigentlich?
In der Verhaltensbiologie bezeichnet Environmental Enrichment die Bereicherung der Umwelt eines Tieres durch zusätzliche, passende Möglichkeiten zur Beschäftigung und zum Ausleben seines Verhaltensrepertoires.
Dazu gehören beispielsweise Erkundungsverhalten, die Beschäftigung mit Gerüchen und anderen Sinneseindrücken, Futtersuche, soziale Interaktionen und die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Angeboten zu wählen.
Manches fordert vor allem die Nase, anderes verlangt Aufmerksamkeit, Gedächtnis oder Geschicklichkeit. Bei vielen Aufgaben kommt einiges zusammen.
Eine Schnüffelkiste beispielsweise bietet Gerüche, unterschiedliche Oberflächen und vielleicht auch ungewöhnliche Geräusche. Gleichzeitig muss der Hund herausfinden, wo Futter versteckt ist und wie er daran gelangt.
Er beschäftigt sich mit seiner Umwelt und sammelt dabei Erfahrungen.
Untersuchungen zeigen, dass Enrichment bei Hunden das Verhalten und unter bestimmten Bedingungen auch das Wohlbefinden positiv beeinflussen kann. Die Studien stammen allerdings häufig aus Tierheimen, Forschungseinrichtungen oder anderen betreuten Haltungsformen. Nicht jedes Ergebnis lässt sich auf jeden Familienhund übertragen.
Auch die Art der Beschäftigung spielt eine Rolle. Eine kleine Studie mit zehn angehenden Assistenzhunden zeigte beispielsweise unterschiedliche Verhaltensänderungen nach verschiedenen Enrichment-Angeboten. Die Auswirkungen der untersuchten Futterspiele waren dabei geringer als die einiger sozialer und erkundungsbezogener Aktivitäten.
Für mich ist das ein guter Grund, Beschäftigung abwechslungsreich zu gestalten und vor allem den Hund zu beobachten.
Ich habe etwas ausprobiert. Und es hat funktioniert.
Besonders interessant finde ich den Aspekt des selbstständigen Problemlösens.
Ein Hund steht vor einer Aufgabe, deren Lösung er noch nicht kennt. Unter einem Becher liegt ein Leckerchen. Er untersucht den Becher, berührt ihn mit der Nase, verschiebt ihn vielleicht ein Stück. Plötzlich ist das Futter erreichbar.
Sein eigenes Verhalten hat etwas verändert.
Beim nächsten Becher könnte er schneller auf dieselbe Idee kommen. Vielleicht entwickelt er auch eine andere Strategie.
Das ist eine einfache, aber wichtige Lernerfahrung: Mit meinem Verhalten kann ich Einfluss auf meine Umwelt nehmen.
In der Psychologie wird in diesem Zusammenhang häufig von Selbstwirksamkeit gesprochen. Bei Menschen meint der Begriff die Überzeugung, Herausforderungen durch eigenes Handeln bewältigen zu können. Was ein Hund dabei subjektiv erlebt, können wir natürlich nicht unmittelbar erfragen.
Wir können aber beobachten, dass Hunde lernen, welche Handlungen bestimmte Folgen haben. Und aus der Tierwohlforschung wissen wir, dass Wahlmöglichkeiten, Kontrolle über die eigene Umgebung und bewältigbare Herausforderungen für das Wohlergehen von Tieren von Bedeutung sind.
Gerade bei einem unsicheren Hund ist das interessant.
Ein Hund, der sich angesichts neuer oder unvorhersehbarer Situationen schnell hilflos fühlt, bekommt eine kleine Aufgabe, die er bewältigen kann. Er probiert etwas aus, verändert etwas und erreicht ein für ihn lohnendes Ergebnis.
Mit der Zeit können solche Erfahrungen dazu beitragen, dass er neuen Aufgaben offener begegnet und eigene Lösungsversuche entwickelt.
Die entscheidende Frage ist allerdings, ob er die Herausforderung tatsächlich bewältigen kann.
Ein Spiel, bei dem ein Hund immer wieder scheitert, kann Frustration auslösen. Wird er dabei gedrängt, sich mit etwas zu beschäftigen, das ihm Angst macht, besteht die Gefahr, dass die Erfahrung sogar unangenehm wird.
Deshalb beginne ich gerne mit Aufgaben, die beinahe zu leicht erscheinen. Wenn ein Hund sie mühelos löst, verändere ich eine Kleinigkeit. Vielleicht kommt ein zweiter Becher dazu. Vielleicht wird die Schnüffelkiste etwas voller. Vielleicht liegt ein Futterstück beim nächsten Mal hinter einem Gegenstand.
So kann er Erfahrungen sammeln, ohne ständig an seine Grenzen zu geraten.
Eine kleinere Untersuchung von Zilocchi und Carlone aus dem Jahr 2016 liefert dafür einen interessanten Hinweis. Hunde, die mehrere aufeinander aufbauende Problemlöseaufgaben absolvierten, zeigten anschließend in Testsituationen mit fremden Menschen weniger Angstverhalten als zuvor. Die Studie war klein und erlaubt keine weitreichenden Aussagen über die langfristige Wirkung. Sie passt aber zu der Überlegung, dass bewältigbare Herausforderungen auch außerhalb des eigentlichen Spiels eine Bedeutung haben können.
Natürlich können wir daraus nicht ableiten, dass ein Hund, der einen Becher umgeworfen hat, anschließend auch eine Hundebegegnung oder einen Tierarztbesuch bewältigt.
Angst ist häufig an bestimmte Situationen, Reize und Erfahrungen gebunden. Eine Übertragung auf andere Situationen ist möglich, aber keineswegs selbstverständlich. Dafür braucht es weitere, sorgfältig aufgebaute Lernerfahrungen.
Trotzdem finde ich es sinnvoll, einem Hund immer wieder Gelegenheiten zu geben, bei denen er selbst etwas herausfinden und bewirken kann.
Auch Geräusche gehören zur Entdeckungsreise
Bei vielen selbst gebauten Spielen passiert etwas, das wir zunächst gar nicht besonders beachten: Es entstehen Geräusche.
Papier knistert. Ein Becher kippt um. Eine Papprolle rollt über den Boden. Ein Karton bewegt sich und raschelt.
Für manche Hunde ist das völlig uninteressant. Andere erschrecken schon bei einem leisen, unerwarteten Geräusch.
Hier können wir die Beschäftigung sehr bewusst gestalten.
Zunächst lernt der Hund das Spiel in einer einfachen, ruhigen Variante kennen. Er weiß, wo er suchen kann und wie er an das Futter gelangt. Wenn er sich gerne damit beschäftigt, lässt sich beispielsweise ein locker zusammengelegtes Stück Papier ergänzen, das beim Suchen ein wenig raschelt.
Vielleicht bewegt er es mit der Nase und hört dabei das Geräusch. Er kann untersuchen, was passiert ist, weitersuchen oder sich entfernen.
Bleibt er gelassen, können nach und nach andere Materialien dazukommen. Ein leichtes Knistern, ein etwas anderer Untergrund, ein Gegenstand, der beim Verschieben ein leises Geräusch erzeugt.
Die Schritte sollten so klein sein, dass der Hund interessiert und ansprechbar bleibt.
Ich würde dabei auch unterscheiden, ob ein Geräusch vorhersehbar ist und vom Hund selbst ausgelöst wird oder ob es plötzlich von außen kommt. Ein Becher, den er selbst umstößt, ist eine andere Erfahrung als ein Gegenstand, der unvermittelt neben ihm auf den Boden fällt.
Für das Training kann beides interessant sein. Aber wir sollten diese Unterschiede nicht unterschätzen.
Unser Ziel ist nicht, möglichst viele Geräusche zu erzeugen oder den Hund daran zu gewöhnen, sich eben nicht mehr zu erschrecken. Wir möchten neue Sinneseindrücke so anbieten, dass er sie in seinem Tempo kennenlernen kann.
Dafür muss er jederzeit Abstand nehmen oder aufhören dürfen.
Kann eine Schnüffelkiste bei Gewitter- oder Silvesterangst helfen?
Sie kann ein sinnvoller Baustein sein. Allerdings kommt es sehr darauf an, wann und wie wir sie einsetzen.
Ein Hund, der bereits in Panik geraten ist, wird sich möglicherweise überhaupt nicht mehr für Futter oder Spiele interessieren. Dann hilft es wenig, ihm eine noch interessantere Schnüffelkiste vor die Nase zu stellen.
Ich würde deshalb frühzeitig beginnen, möglichst lange vor Silvester oder außerhalb der Gewittersaison.
Zunächst lernt der Hund eine einfache, angenehme Schnüffelkiste kennen. Ohne besondere Geräusche, ohne Ablenkung, ohne dass irgendetwas von ihm verlangt wird. Er findet darin zuverlässig Futter und kann die Beschäftigung in Ruhe erkunden.
Wenn er sie kennt und gerne nutzt, lassen sich die Materialien schrittweise verändern. Ein Stück Papier knistert etwas mehr, eine Papprolle rollt leise, ein leichter Gegenstand bewegt sich beim Suchen.
Dabei beobachte ich genau, wie der Hund reagiert. Erschrickt er, hält inne oder entfernt sich, war der Schritt möglicherweise zu groß. Dann wird die Aufgabe wieder leichter. Es besteht kein Grund, ihn zu überreden oder warten zu lassen, bis er sich an den Reiz gewöhnt hat.
Auf diese Weise kann die Schnüffelkiste zu einer vertrauten Beschäftigung werden, bei der der Hund viele angenehme und bewältigbare Erfahrungen gemacht hat.
Wenn später draußen ein Gewitter aufzieht oder Feuerwerk zu hören ist, kann eine solche vertraute Beschäftigung manchen Hunden helfen, sich mit etwas Angenehmem zu befassen. Voraussetzung ist, dass sie noch dazu in der Lage sind und die Beschäftigung freiwillig annehmen.
Für die gezielte Behandlung von Geräuschangst reicht das allerdings nicht immer aus.
Hier kommen weitere Maßnahmen hinzu: ein sicherer Rückzugsort, möglichst geringe Geräuschbelastung und gegebenenfalls ein sorgfältig aufgebautes Training mit kontrollierbaren Geräuschen und positiven Verknüpfungen. Bei ausgeprägter Angst sollte frühzeitig tierärztliche Unterstützung einbezogen werden; bei manchen Hunden ist auch eine medikamentöse Begleitung sinnvoll.
Wichtig ist außerdem, dass selbst erzeugte Alltagsgeräusche und Feuerwerkskörper keine vergleichbaren Reize sind. Feuerwerk ist laut, plötzlich, oft unvorhersehbar und mit weiteren Eindrücken wie Lichtblitzen verbunden. Auch Gewitter bestehen aus mehr als Donnergeräuschen.
Die Schnüffelkiste kann deshalb helfen, positive Erfahrungen mit unterschiedlichen Sinneseindrücken zu sammeln und eine vertraute Beschäftigung aufzubauen. Sie ist aber keine Garantie dafür, dass ein Hund anschließend Gewitter oder Silvester besser erträgt.
Und selbstverständlich wird kein Hund absichtlich Geräuschen ausgesetzt, die ihm Angst machen, damit er „lernen muss“, sie auszuhalten.
Ein paar Ideen aus Donnies Spielesammlung
Die folgenden Spiele lassen sich mit wenigen Materialien gestalten. Die Fotos zeigen einige der Beschäftigungen, die ich mit Donnie ausprobiert habe. Sie sind als Anregung gedacht. Schwierigkeit, Materialien und Aufbau müssen zum jeweiligen Hund passen.
Die Muffinform: Wo ist der Keks?
Das Prinzip ist schnell erklärt: In einige Vertiefungen einer Muffinform kommen kleine Futterstücke. Darüber legt man passende Abdeckungen, die der Hund selbst entfernen oder verschieben kann.
Ich habe bei Donnie Tennisbälle verwendet. Auf den Bildern sieht man außerdem eine Variante mit unterschiedlich geformten Abdeckungen.
Für den Einstieg würde ich nur ein oder zwei Vertiefungen abdecken. Wenn der Hund das Prinzip verstanden hat, können weitere dazukommen.
Manche Hunde stupsen die Abdeckungen mit der Nase weg. Andere setzen ihre Pfoten ein. Wieder andere arbeiten sich zunächst systematisch um die Form herum.
Interessant ist, ob sie ihre Vorgehensweise verändern, wenn eine Abdeckung nicht sofort weicht.
Wichtig ist, dass sich die Gegenstände gut entfernen lassen und nicht verschluckt werden können. Tennisbälle eignen sich nur für Hunde, die nicht darauf herumkauen oder Teile abbeißen. Das Spiel gehört unter unmittelbare Aufsicht.


Becher, Dosen und ein kleiner Turm
Beim einfachen Hütchenspiel liegt ein Leckerchen unter einem umgedrehten Becher. Für den Anfang kann das Futter noch teilweise sichtbar sein oder der Becher leicht schräg stehen.
Mit Donnie habe ich auch einen Turm aus ineinandergesteckten Bechern ausprobiert. Da gab es einiges zu bewegen und umzuwerfen.
Gerade solche kleinen Veränderungen können interessant sein: Ein Becher klingt anders als eine Papprolle. Etwas fällt zur Seite. Ein Gegenstand rollt plötzlich weiter als erwartet.
Für einen geräuschempfindlichen Hund würde ich allerdings zunächst Materialien wählen, die sich möglichst leise bewegen lassen. Ob und wann weitere Geräusche dazukommen, entscheidet seine Reaktion.

Ein Karton voller Möglichkeiten
Ein stabiler Karton, einige locker zusammengelegte Papierstücke, ein paar geeignete Gegenstände und dazwischen Futter: Fertig ist eine einfache Schnüffelkiste.
Donnie bekam von mir gelegentlich recht aufwendige Varianten. Da waren Papprollen, Bälle, Futterspielzeuge und Papier im Karton verteilt. Manche Leckerchen lagen gut sichtbar, andere waren etwas schwieriger zu erreichen.
Für einen Hund, der dieses Spiel noch nicht kennt, würde ich einfacher beginnen: ein offener Karton, wenig Papier, einige gut erreichbare Leckerchen.
Erst mit zunehmender Erfahrung wird daraus eine abwechslungsreichere Suchlandschaft.
Auch der Geräuschpegel lässt sich dabei verändern. Ein weiches Stofftuch macht kaum Geräusche. Papier kann leise rascheln oder, je nach Material, ziemlich deutlich knistern.
Dabei sollten wir nicht nur darauf achten, ob der Hund weiter nach Futter sucht. Auch Körperspannung, Bewegungen, Atmung und sein Umgang mit den Gegenständen können zeigen, ob die Aufgabe noch angenehm ist.
Klebebänder, Heftklammern, Schnüre und ungeeignete Kleinteile haben in der Kiste nichts verloren. Papier eignet sich nur, wenn der Hund es nicht in größeren Mengen frisst.

Die Pralinenschachtel und die Leckerleine
Auch leere Verpackungen finde ich für Beschäftigungsideen ausgesprochen interessant.
Aus einer Pralinenschachtel mit Kunststoffeinlage wurde ein kleines Suchspiel. Donnie musste herausfinden, wie er an das Futter in der herausziehbaren Einlage gelangen konnte. Die Bilder zeigen den Aufbau und anschließend, wie er sich damit beschäftigt.


Eine weitere Konstruktion bestand aus Papprollen, die an einer Schnur befestigt waren. Zwischen den Rollen ließen sich Leckerchen verstecken.

Solche selbst gebauten Aufgaben können neue Bewegungen, Gerüche und Geräusche ins Spiel bringen. Sie verlangen aber auch, dass wir die verwendeten Materialien besonders sorgfältig beurteilen.
Gerade die Leckerleine würde ich wegen der gespannten Schnur und der losen Teile nicht als allgemeine Bastelanleitung empfehlen.
Die Fotos gehören trotzdem zu Donnies Spielesammlung. Und sie zeigen, wie viele unterschiedliche Aufgaben sich mit alltäglichen Gegenständen gestalten lassen.
Die Fleecedecke: Suchen mit der Nase
Das geht noch einfacher.
Ein paar Futterstücke werden in den lockeren Falten einer Decke versteckt. Der Hund darf sie erschnüffeln und herausarbeiten.
Für viele Hunde ist das eine gut zugängliche Beschäftigung, weil sie ihren Geruchssinn nutzen können, ohne eine komplizierte Aufgabe lösen zu müssen.
Die Leckerchen können zunächst zwischen wenigen offenen Falten liegen. Später darf die Decke etwas stärker zusammengelegt werden.
Gerade für Hunde, die mit neuen Gegenständen oder Geräuschen unsicher sind, kann eine vertraute, weiche Unterlage ein angenehmer Einstieg sein.
Wenn ein Hund hektisch an der Decke zerrt oder sie zu zerbeißen beginnt, ist die Aufgabe möglicherweise zu schwierig oder das Material ungeeignet.

Ein Schnüffelgarten für zu Hause
Ein Schnüffelgarten lässt sich auch aus ganz gewöhnlichen Alltagsgegenständen zusammenstellen.
Für einen aufwendigeren Aufbau habe ich unter anderem eine Muffinform, Körbe, verschiedene Behälter, Stoffe, eine Tasche, ein Gitter und weitere Gegenstände verwendet. Kleine Futterstücke lagen an unterschiedlichen, erreichbaren Stellen.
Der Hund kann entscheiden, womit er sich zuerst beschäftigt. Manche Bereiche lassen sich leicht absuchen, andere erfordern etwas mehr Geschicklichkeit.
Auch hier können ganz unterschiedliche Sinneseindrücke entstehen. Ein Stoff fühlt sich anders an als ein Kunststoffbehälter, eine Metallfläche klingt anders als ein Karton.
Ich würde einen solchen Aufbau nicht gleich in voller Größe anbieten. Für einen Hund, der wenig Erfahrung mit Suchspielen hat, reichen zunächst zwei oder drei vertraute Gegenstände.
Und bei unsicheren Hunden kann es sinnvoll sein, neue Materialien erst einmal einzeln kennenzulernen.
Der Aufbau muss standsicher sein. Verschluckbare Kleinteile, Schnüre, dünne Kunststofffolien oder lose Dekorationen können gefährlich werden. Nicht alles, was ich für eine bestimmte Situation verwende, eignet sich auch für einen anderen Hund.

Die Grauen Schnauzen: Enrichment kennt kein Alter
Viele dieser Ideen haben auch bei den Grauen Schnauzen Einzug gehalten, meiner Beschäftigungsgruppe für Hundesenioren.
Natürlich immer angepasst an das jeweilige Hunde-Individuum, seine Interessen und seine körperlichen Möglichkeiten. Denn auch ältere Hunde sind sehr unterschiedlich. Während die einen noch ausgesprochen unternehmungslustig sind, lassen sich andere lieber etwas mehr Zeit.
Ein Hund mit Gelenkbeschwerden muss sich nicht über Hindernisse bewegen, um eine interessante Aufgabe zu erleben. Vielleicht reicht ein neuer Geruch, ein leicht erreichbarer Gegenstand oder eine kleine Suchaufgabe auf angenehmer Höhe.
Auch eingeschränktes Sehen oder Hören bedeutet nicht, dass keine Beschäftigung mehr möglich ist. Manchmal müssen wir lediglich unsere Vorstellungen davon verändern, wie ein Spiel auszusehen hat.
Entscheidend ist, dass der Hund Freude an der Beschäftigung hat und die Aufgabe zu ihm passt.
Wie erkennen wir, ob eine Aufgabe passt?
Dafür gibt es keine Stoppuhr und keine vorgeschriebene Anzahl an Leckerchen.
Ich schaue darauf, ob der Hund von sich aus Interesse zeigt, sich mit der Aufgabe beschäftigt und zwischendurch auch wieder lösen kann. Ob er verschiedene Strategien ausprobiert. Wie er auf kleine Veränderungen reagiert.
Bei einem geräuschempfindlichen Hund interessiert mich zusätzlich, was passiert, wenn etwas raschelt oder umkippt. Erschrickt er kurz und wendet sich dann wieder freiwillig der Aufgabe zu? Geht er auf Abstand? Wird er hektischer? Oder scheint ihn das Geräusch überhaupt nicht zu beschäftigen?
Ein einzelnes Signal reicht selten für eine sichere Einschätzung. Deshalb ist es wichtig, den Hund insgesamt zu betrachten und seine individuellen Verhaltensweisen zu kennen.
Wenn er aufhört, darf er aufhören.
Und wenn er Schwierigkeiten hat, mache ich die Aufgabe leichter. Oft genügt es, einen Gegenstand zu entfernen, ein Leckerchen sichtbarer zu platzieren oder eine andere Unterlage zu verwenden.
Es geht schließlich darum, ihm Gelegenheit zum Ausprobieren zu geben. Das funktioniert am besten, wenn er tatsächlich Einfluss darauf hat, was geschieht.
Und was hat der Hund nun davon?
Eine abwechslungsreichere Umwelt kann Hunde körperlich und geistig beschäftigen, ihre Sinne anregen und ihnen Möglichkeiten bieten, ihre Umwelt aktiv zu erkunden.
Bei selbstständigen Problemlöseaufgaben kommt etwas hinzu, das ich gerade für unsichere Hunde wertvoll finde: Sie können erleben, dass ihre eigenen Handlungen etwas bewirken und sie eine Herausforderung bewältigen können.
Solche Erfahrungen lassen sich behutsam erweitern. Ein neues Material, ein ungewohnter Geruch, ein leises Rascheln. Immer so, dass der Hund eine gute Chance hat, damit zurechtzukommen und sich auch wieder entziehen kann.
Ob diese Erfahrungen ihm später in anderen schwierigen Situationen helfen, hängt von vielen Faktoren ab. Manches muss ganz gezielt in den jeweiligen Alltagssituationen geübt werden. Bei ausgeprägten Ängsten braucht es eine individuelle Begleitung.
Mit Donnie habe ich gebastelt, er hat ausprobiert, und meistens haben wir beide ziemlich viel Spaß gehabt.
Und manchmal muss ich dabei an die alte Pralinenschachtel denken. Die hatte für Donnie offenbar deutlich mehr zu bieten als ihr ursprünglicher Inhalt. Zumindest, nachdem ich ein paar Kekse hineingelegt hatte.

Zum Weiterlesen
Spaß mit Hund – Christina Sondermann
Eine umfangreiche Sammlung an Spielideen, Wissen über Enrichment und Anregungen für einen respektvollen Umgang mit Hunden.
Wissenschaftliche Literatur
- Wells, D. L. (2004): A review of environmental enrichment for kennelled dogs, Canis familiaris. Applied Animal Behaviour Science, 85, 307–317. DOI
- Schipper, L. L. et al. (2008): The effect of feeding enrichment toys on the behaviour of kennelled dogs (Canis familiaris). Applied Animal Behaviour Science, 114, 182–195. DOI
- Hunt, R. L., Whiteside, H. & Prankel, S. (2022): Effects of Environmental Enrichment on Dog Behaviour: Pilot Study. Animals, 12, 141. DOI
- Zilocchi, M. & Carlone, B. (2016): Problem solving games as a tool to reduce fear of strangers in dogs. Dog Behavior, 2(1). DOI
- Englund, M. D. & Cronin, K. A. (2023): Choice, control, and animal welfare: definitions and essential inquiries to advance animal welfare science. Frontiers in Veterinary Science, 10. DOI
- Riemer, S. (2023): Therapy and Prevention of Noise Fears in Dogs—A Review of the Current Evidence for Practitioners. Animals, 13, 3664. DOI
Hinweis: Die vorgestellten Beschäftigungen ersetzen keine verhaltenstherapeutische Begleitung bei ausgeprägten Ängsten. Auch die Verträglichkeit der verwendeten Materialien und die körperlichen Voraussetzungen des Hundes müssen immer berücksichtigt werden.
